Serien, Phasen und Abschnitte in der Wunderbaren Welt der Pflanzen

Mendelejew sagte 1871 die Existenz von drei chemischen Elementen vorher, weil diese die entsprechenden Lücken in seinem Periodensystem ausfüllen würden. Heute nutzt die Homöopathie auch ein ähnliches Verfahren um die Wirkung eines noch unbekannten Mittels vorherzusagen. Dazu verwendet man eine für die Homöopathie modifizierte APG-III Klassifizierung um die Pflanzen in Kategorien und Familien einzuordnen.

Angefangen hatte das als man bemerkte, dass bestimmte Mineralien ähnliche Themen haben. Zeitgleich entdeckten einige Homöopathen unabhängig voneinander, dass Arzneimitteln aus der selben Pflanzenfamilie auch ähnliche Themen teilen. So wurde die Gruppentheorie aufgestellt, bzw die Familientheorie bei den Pflanzen. Zum Beispiel die drei typischen Arzneimittel die Atropin enthalten, Belladonna, Stramonium und Hyoscyamus, welches die drei Hauptzutaten für die Hexensalben (Flugsalbe) waren, haben ein gemeinsames Thema, von der Gemeinschaft ausgeschlossen zu sein und nirgendwo so richtig dazu zugehören. Das Motto „niemand glaubt mir“ haben alle drei Mittel und das liegt nicht nur am Atropin, sondern es ist eine Gemeinschaft die alle Mittel in dieser Familie der Solanaceae haben. Die Angst ist vorherrschend. Damals war das nur wenigen Homöopathen bewusst. Nur diejenigen die sich auch mit der Botanik beschäftigt hatten konnten einen Zusammenhang erkennen. Ein Grund mehr interdisziplinär zu arbeiten und sich nicht zu sehr zu spezialisieren.

Name Serien Phasen und Unterphase Abschnitt
Belladonna 665 71 6
Stramonium 665 71 10
Hyoscyamus 665 71 13

Die Serie entspricht einem Potential der Entwicklung. Mir wurde beim Studium von „Wunderbare Pflanzen“ von Jan Scholten bewusst, dass diese Zahl eine Drei-Teilung von Kent bzw Vithoulkas widerspiegelt, Körper-Emotionen-Geist. Jan Scholten selbst beschreibt die Serie so, dass die nachfolgende Zahl nie größer sein kann als die vorhergehende. Beispiel 432 kann nicht mehr als 444 in seiner Entwicklung erreichen. Das bedeutet vielleicht, dass der Körper oder die vererbten Gene hier die Grenze setzen. Eine Konstitution von 665 könnte sich in einer kurzen Lebensspanne von nur hundert Jahren nicht weiter entwickeln als 666. Was bedeuten aber nun diese Zahlen in der Serie?

Die Serie in der chemischen Elemententafel entsprechen Entwicklungsstufen des Menschen.

Die erste Serie ist der Wasserstoff (bis Helium) und das entspricht der Empfängnis.
Die zweite ist die Kohlenstoffserie, ab der Geburt, wo erst eine Entwicklung in Richtung des einzelnen Individuum möglich ist.
Die dritte ist die Siliziumserie, hier versteht man die Bedeutung der Familie und der Gruppe.
Ab der vierten, der Eisenserie, beginnt die Arbeit Priorität zu erlangen. Mit Arbeit ist nicht nur Beruf und Geld verdienen gemeint, sondern das Zuschauen, Wiederholen und Nachahmen einer einfacheren Tätigkeit.

Erst ab der fünften Serie beginnt die eigene Kreativität zu wachsen, wo man eigene Ideen entwickelt und durchsetzt. Das ist die Entwicklung der Kommunikation von abstrakteren Gedanken und Ideen. Der Unterschied zur Eisenserie ist das Neue. Der Künstler oder der Wissenschaftler will neues entdecken. Der Ingenieur verbessert die Produktion an einem Laufband und führt die Arbeit nicht einfach nur fort ohne Fragen zu stellen. Übertrieben dargestellt ist der einfache Arbeiter am Laufband tätig und schraubt das Produkt Tag für Tag zusammen ohne sich Fragen zu stellen wie es denn nun wirklich funktioniert. Der Ingenieur würde aber Verbesserungen in der Produktion einführen, womöglich das Produkt neu gestalten und so weiter. Hier ist auch eine gewisse Vorsicht angebracht, denn so einfach gestrickt sind wir Menschen natürlich nicht. Der typische Arbeiter der sich ausschließlich zu 100% auf die Eisenserie konzentriert existiert nicht. Komplexität in der Persönlichkeit tritt bereits im Reich der Mineralien auf, wo eine Substanz aus eine Verbindung von mindestens zwei oder mehreren Elementen besteht. Bei den Pflanzen erreicht die Komplexität einen sehr hohen Maß.

Die sechste Serie ist zweigeteilt in eine Innere und Äußere, den Lanthaniden und den Gold-Metallen. Gold (Aurum) in der Homöopathie ist für seine schweren Depressionen bekannt die auftreten wenn man große Verantwortung übernehmen muss, wie bei einem Chef einer Firma. Die typischen Arzneimittellehren beschreiben Aurum als einen erfolgreichen Geschäftsmann mit viel Personalverantwortung und einer Tendenz zum Selbstmord sollte die Firma pleite gehen und er gezwungen ist das Personal zu entlassen. Diese „schwere“ Emotionslage haben alle Mittel aus der sechsten Reihe, sowohl die Gold-Metalle als auch die Lanthaniden (Seltene Erdmetalle). Bei den Lanthaniden ist die Unabhängigkeit das zentrale Thema, die Vereinigung aller Bestandteile seiner Selbst zu einem Ganzen und die Angst seine Autonomie zu verlieren. Da Lanthaniden auch starke magnetische Wirkung haben, zieht es sie zu inneren Einsicht, sie haben ein Verlangen nach Meditation und Einsicht. Anders als bei der Silberserie verlangen sie nicht alles zu kommunizieren was sie in ihrem Inneren erleben.

Um Gold und Lanthanide besser zu unterscheiden, sollte man sich folgenden Aspekt merken: Gold befindet sich und unterstellt sich einem Pyramidensystem. Es gehört zu den „klassischen Chefs“ die in alleine in einem großen Büro über tausende von Arbeitnehmer die Verantwortung tragen. Die Verantwortung lastet schwer auf ihren Schultern. Das Gewicht ist spürbar für die anderen. Man erkennt an den Augen das die oberen Lider etwas an den Seiten herunter hängen (ein Zeichen für eine potentielle Herzkrankheit). Die Lanthaniden tun alles um sich nicht einem Pyramidensystem unterzuordnen. Es geht um die Autonomie. Sie helfen anderen auch autonom zu sein. Sie sind mehr die Helfer statt die Chefs. Sie kümmern sich um die persönliche Weiterentwicklung der anderen Individuen. Die „modernen Chefs“ sitzen zusammen mit ihren Angestellten in einem Büro und packen gemeinsam die Arbeit an. Die persönliche Weiterentwicklung, die Verbesserung … das ist der Aspekt der Integrität, wo die magnetische Kraft dieser Elemente die einzelnen Komponenten anzieht und zu einem Ganzen zusammen fügt. Lanthanide sind auch in Helferberufen stark vertreten, z.B. Psychotherapeuten, Heilpraktiker, Sozialarbeiter usw. Die „klassischen Chefs“ aus der Goldserie hingegen erlauben ihren Angestellten keine Autonomie. Sie wollen die Kontrolle, sogar bis zu dem Punkt der Zerstörung falls die Kontrolle verlieren sollten. Das erkennt man bei Merkur, dem Quecksilber.

Übrigens scheinen Lanthanide Themen immer häufiger aufzutreten. Es gibt hier einen Wandel in der Gesellschaft. Die Menschen wollen immer mehr die Autonomie.

Es folgt aber auch noch eine siebte Serie, die des Zerfalls, den radioaktiven Actinoiden. Diese Menschen sind meist schwer traumatisiert, auch auf einer genetischen Ebene. Allerdings haben sie eine gewisse Einsicht in globalen Vorgänge und haben Zugriff auf ungeheure Kräfte. Wobei sich diese Kräfte auch gegen sie wenden und dann entstehen die schlimmsten Krankheiten die man sich nur vorstellen kann, wie z.B. Knochenkrebs.

Hat jetzt jemand eine Konstitution von 654, dann bedeutet das ein Potential bis 666, also bis zu den Lanthaniden, jedoch nicht höher. Eine 6 auf körperlicher Ebene bedeutet also keinen größeren Problemen bezüglich den Organen. Eine 5 auf emotionaler Ebene könnte auf Schwierigkeiten bei der Kommunikation hinweisen. Eine 4 auf geistiger Ebene ist bereits eine Schwierigkeit bei der Konzentration. Natürlich ist das meine eigene Auslegung und Erfahrung, daher bitte nicht alles als bare Münze nehmen. Aber wenn man sich die Materia Medica in dem Buch von Scholten genauer analysiert, dann fallen einem bestimmte Häufungen von Symptomen auf die sich eher auf der ersten, zweiten oder dritten Ebene des Menschen befinden, der Dreiteilung in Körper / Emotion / Geist.

Beispiel Lycopodium, 422.13.06, eine Konstitution die körperlich schwach ist. Lycopodium muss sich beweisen, daher Abschnitt 6. Typisch für Lycopodium ist sein protzen, er kündigt an er wäre in der Lage dies und jenes zu tun und zwar besser als die anderen. Das ist aber eher typisch für die meisten Mitteln im Abschnitt oder Stadium 6. Körperlich ist Lycopodium so schwach, dass die Leber nicht sein volles Potential erfüllt (noch erreichen kann … und das spüren sie auch). Emotional und Geistig hinkt dieser Typ immer hinterher. Seine Minderwertigkeitskomplexe führen oft dazu sich in der Gesellschaft vor fähigen Leuten zu ducken (in Deckung gehen, Feigheit), aber bei Schwächeren Mitmenschen spielen sie sich auf und „treten nach unten„.

Beispiel Aconitum, 642.13.01, körperlich in bester Form, aber typisch für die Eisenserie haben diese Menschen ein Problem mit Innovation. Sie arbeiten sehr hart und werden nur selten krank. Aber irgendwann tritt doch eine Schwäche ein und sie reagieren mit großer Angst. Emotionen sind auf der Serie 4 (Eisen) und geistig befinden sie sich auf der Serie 2 (Kohlenstoff), das ICH. Man erkennt bei diesem Typ eine gewisse Isolation und Problem der Kommunikation. Sie schätzen Freundschaft sehr, aber es basiert nicht auf Tiefgründigkeit, eher auf einfachen Respekt und das Teilen der Arbeit und Mahlzeiten. Wenn man sich mit ihnen unterhält, dann bemerkt man die Grenze auf der geistigen Ebene. Smalltalk ist ok, man hört auch einige Erfahrungen über die Vergangenheit (damals war alles besser), über ihre Kindheit, was in der Gesellschaft von heute nicht in Ordnung ist, was man anders machen müsste („eigentlich„) und so weiter. Nie wird man spontan aus ihrem Mund einen wirklich tiefgründigen Gedanken hören. Sie arbeiten, schaffen, ackern, das können sie sehr gut, es ist auch leider alles was sie können. Würde man mehr von ihnen verlangen, dann müssten sie zuerst an ihren Emotionen arbeiten. 642 bedeutet eine 4 (Eisen) auf Ebene der Emotionen, was den Aspekt der Wiederholung beinhaltet. Erst wenn dort eine 6 steht, also 66x, dann kann die dritte Zahl auf der geistigen Ebene wachsen. Das würde bedeuten, dass wenn sie die Möglichkeit hätten viele hunderte von Jahren zu leben, eine Wandlung in ihrer Persönlichkeit entstehen würde. Dann würden sie von 642 auf 65x und 66x steigen. Im Laufe dieser Zeit würden sie emotional stabiler werden und ihr geistiges Potential voll entfalten können. Zuerst würden sie bemerken, dass man sich nicht immer auf die anderen verlassen muss, sondern selbst Innovation einbringen kann (aus „eigentlich“ wird ein „los gehts„). Dann bemerken sie, dass sie selbst in der Lage sind sich etwas beizubringen (Autodidakt) und das  die Kommunikation eine Kunst ist die Spass macht. Diese Wandlung würde lange dauern, aber wenn man diese Zeit zur Verfügung hätte, dann wäre diese unaufhaltbar.

Und gleich dazu das Beispiel von Staphisagria, 642.13.10, was Aconitum recht ähnlich ist. Einziger Unterschied ist der Abschnitt 10 statt 1. Beide Mittel haben ihren Schwerpunkt in der Eisenserie. Beide Mittel haben ein Problem in der Kommunikation (z.B. Wut wird nicht verbal ausgedrückt). Nur Staphisagria ist etwas weiter als Aconitum, befindet sich bereits im Stadium 10 wo sie gewisse Erfolge zu verzeichnen haben, womöglich haben sie studiert und prahlen ein wenig damit (Staphisagria ist bekannt ein Snob zu sein). Aber mehr als nur die Fähigkeit ein Studium zu Ende zu bringen haben sie nicht. Kaum wird es auf emotionaler Ebene kritisch, z.B. durch eine Beleidigung, dann kracht ihre Gesundheit zusammen und entwickeln allerlei Symptome. Menschen sind so sensibel!

Interessant! Ich bin so fasziniert von diesem System von Scholten. Man kann auch voraussagen wo man ein bestimmtes Mittel finden kann, wenn man das Hauptthema erkannt hat. Zum Beispiel das Hauptthema der Astereae, 666.45, ist die Autonomie (666 – Lanthanide), Phase 4 die des Respekts (Kohlenstoff). Paradebeispiel ist hier Arnika, „fass mich nicht an!„, schickt den Arzt weg, sehnt sich nach Integrität und Selbstständigkeit. Würde man das Hauptthema eines Patienten erkennen, dann könnte man im Repertorium die Mittel auf eine bestimmten Pflanzenfamilie eingrenzen. Das funktioniert im MacRepertory ganz gut. Von hundert Mitteln in der Tabelle der Repertorisierung befinden sich nach der Eingrenzung nur noch ca. 20 Mitteln. Das ermöglicht dann die wenigen verbliebenen Mitteln in der Materia Medica zu studieren und das Similimum auszuwählen. Zum Beispiel würde man in einem bestimmten Fall nie an Carduus-marianus (Mariendistel) denken, aber bei einer Eingrenzung auf die Familie der Asterales würde dieses Mittel in den Vordergrund rücken.

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